Tesla schliesst das 1. Quartal 2020 überraschend mit Gewinn ab

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Tesla hat im ersten Quartal entgegen den Erwartungen der Analysten einen Gewinn von 16 Millionen Dollar erwirtschaftet. Die Wall Street hatte mit einem Verlust 286 Millionen Dollar gerechnet. Das ist nun das dritte Quartal in Folge mit einem Reingewinn für den Konzern. Der Kurs schoss nach Bekanntgabe des Quartalsbericht nachbörslich zeitweise um 10 Prozent in die Höhe.

Der Umsatz betrug 5’985 Millionen Dollar, 32 Prozent mehr als im ersten Quartal 2019. Der operative Gewinn im Startquartal war 283 Millionen Dollar. Im Vorjahresquartal wurde noch ein operativer Verlust von 522 Millionen Dollar verbucht.

Die Kassenbestände haben sich um 1,8 Milliarden auf 8,1 Milliarden Dollar erhöht. Im ersten Quartal hat Tesla neue Aktien im Wert von 2,3 Milliarden Dollar ausgegeben. Ohne diese Aktienkapitalerhöhung hätten sich die Kassenbestände reduziert. Der Free Cash Flow betrug minus 895 Millionen Dollar. Tesla begründet das mit der starken Zunahme von fertiggestellten aber noch nicht ausgelieferten Fahrzeugen. Im ersten Quartal hat Tesla 14’176 mehr produziert als ausgeliefert wurden. Dies habe den Free Cash Flow mit 981 Millionen Dollar negativ beeinflusst.

Es ist in der Automobilindustrie üblich, dass im verkaufsschwachen ersten Quartal deutlich mehr Fahrzeuge produziert als ausgeliefert werden. Erschwerend hinzugekommen ist, dass der bei Tesla übliche Auslieferungs-Push in den letzten Tagen eines jeden Quartals aufgrund der globalen Pandemie deutlich erschwert und in gewissen Regionen sogar ganz gestoppt wurde. Diese Überproduktion belasten die Bücher im ersten Quartal. Wenn die Fahrzeuge dann im Verlauf des Jahres ausgeliefert werden wird der Umsatz der Fahrzeuge im entsprechenden Quartal verbucht, was den negativen Einfluss buchhalterisch nachträglich neutralisiert.

Die Bruttomarge aus dem Automobilgeschäft betrug stolze 25,5 Prozent bzw. 20,0 Prozent wenn man die Einnahmen aus den Emissions-Zertifikaten abzieht. Der Umsatz aus dem Verkauf dieser extrem hochmargigen Zertifikaten betrug 354 Millionen Dollar.

Tesla betont im Quartalsbericht, dass dieser Gewinn trotz der Lancierung der Model Y in den USA und dem Hochfahren der Produktion in der Fabrik in Shanghai erzielt werden konnte. Beim Anlauf der Serienproduktion erwirtschaften die produzierten Fahrzeuge meistens keine oder nur sehr kleine Gewinne. Die Belastung pro Fahrzeug für die Abschreibungen der neuen Produktionsanlagen ist bei einem geringem Produktionsvolumen viel höher als wenn die Fabrik auf allen Zylindern feuert. Tesla betont, dass das Model Y in seinem ersten Produktions-Quartal bereits mit einer positiven Margen zum Ergebnis beigetragen hat. Dies sei gelungen, da das Model Y viele Teile und einige Produktionsschritte mit dem Model 3 teilt. Zudem seien zuerst die teuren Modellvarianten verkauft worden.

Der Autokonzern hält an seinem Investitionsplan fest. Man habe ausreichend Barmittel um den weiteren Ausbau der Fabrik in Shanghai und den Neubau in Berlin finanzieren zu können. An beiden Standorten sollen Produktionslinien für den kleinen Tesla SUV Model Y gebaut werden. Der Bau in Shanghai ist bereits fortgeschritten (Artikelbild), in Berlin wartet man noch auf die definitive Baubewilligungen. Zudem seien noch andere Investitionsprojekte in der Pipeline die jedoch in der jetzigen Projektphase noch nicht so sehr kapitalintensiv sind wie die Errichtung und Ausstattung von ganzen Produktionslinien sind. Dazu zählen der Tesla LKW “Tesla Semi”, der Pick up “Tesla Cybertruck” und der neue “Tesla Roadster”.

Tesla hält an seinem Ziel fest dieses Jahr über 500’000 Fahrzeuge zu produzieren. Vieles hänge jedoch davon ab, wie schnell die Produktion im Tesla Hauptwerk Fremont wieder hochgefahren werden kann. Die “shelter in place”-Order der Bay Area Counties wurde bis Ende Mai verlängert. Ursprünglich war geplant am Montag, 4. Mai die Produktion wieder aufzunehmen. Somit ist die Gigafactory Shanghai die derzeit einzige aktive Produktionsstätte des Konzerns.

Tesla scheint die Krise gut zu meistern. Die glücklich terminierte Aktienkapitalerhöhung vor Ausbruch der Pandemie in den USA hat sicher dazu beigetragen. Zudem macht es Sinn jetzt Geld in neue Fabriken zu investieren. Bis die beiden neuen Model Y-Produktionslinien in Shanghai und Berlin mit der Produktion starten, sollte die Pandemie und hoffentlich auch die dadurch ausgelöste Rezession zum grössten Teil überwunden sein. Dennoch hat die Pandemie auch bei Tesla ein Opfer gefordert. Die ersten Auslieferungen des Tesla Semi LKW wurde auf 2021 verschoben.