Opel Vivaro-e mit 330 km Reichweite bald verfügbar

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Opel bringt dieses Jahr einen Elektro-Lieferwagen auf den Markt. Der neue Opel Vivaro-e überzeugt auf der ganzen Linie mit beachtlichen Kennzahlen und Spezifikationen. Die Reichweite, die Nutzlast und der leistungsstarke Elektromotor müssen sich einem Vergleich mit Diesel-Lieferwagen nicht scheuen. Die beiden Knackpunkte: der Preis und die Produktionskapazität. Der Preis wurde noch nicht bekanntgegeben und zum geplanten Produktionsvolumen wird sich Opel vermutlich nicht äussern.

Für den Lieferwagen stehen zwei Akkuvarianten zur Auswahl: Ein 50 Kilowattstunden Akku mit voraussichtlich 230 Kilometer Reichweite und ein 75 Kilowattstunden Akku mit geschätzten 330 Kilometer Reichweite. Die Reichweiten beziehen sich auf den neuen aber immer noch nicht realitätsnahen WLTP-Test (Worldwide Harmonised Light Vehicles Test Procedure). Die tatsächliche Reichweite wird vor allem im Winter bei tiefen Temperaturen nicht an die offiziellen Zahlen herankommen.

Mit einer maximalen Nutzlast von beachtlichen 1’275 Kilogramm liegt die Differenz gegenüber der besten Diesel-Variante bei nur bei 130 kg. Dieser kleine Unterschied wird kaum ein Killerargument gegen den Kauf des Vivaro-e sein. Opel hat nicht kommuniziert ob diese maximale Nutzlast für beide, also auch für den Vivaro-e mit dem grösseren Akku zur Verfügung stehen wird. Der 75 Kilowattstunden Akku besteht aus 27 Modulen wobei es für den 50 Kilowattstunden Akku nur 18 Module braucht. Das Gewicht der zusätzlichen Module könnte auf Kosten der Nutzlast gehen.

Angetrieben wird der Lieferwagen von einem 100 Kilowatt starken Elektromotor. Das entspricht 136 PS. Im Vergleich: Die Vivaro Diesel-Varianten haben Motorleistungen zwischen 75 und 130 Kilowatt. Der Vivaro-e bringt 260 Newtonmeter auf die Strasse. Damit sollte der Elektro-Lieferwagen auch beladen zügig durch die Gassen kommen. Die Beschleunigung von 0-40 km/h wird unserer Einschätzung nach besser sein als die der Diesel-Modelle. Im Stadtverkehr wird der Elektro-Lieferwagen dadurch viel agiler unterwegs sein. Wenn man eine “rote Welle” erwischt hat oder im Stau steht, macht das wiederholte Anfahren im Vivaro-e sicher mehr Spass als in einem seiner Diesel-Brüder.

Je nach Markt hat der Vivaro-e ein 7,4- oder 11 Kilowatt Gleichrichter an Bord. Beachtlich ist auch die 100 Kilowatt Ladeleistung an den Schnelllade-Stationen. Damit soll der kleinere Akku in 30 Minuten und der grosse Akku in 45 Minuten von 0 auf 80 Prozent geladen werden können. Bei Lieferwagen mit einer sehr hohen Fahrleistung finden diese Ladevorgänge idealerweise während den üblichen Ruhepausen der Fahrer oder beim Beladen oder Abladen des Transportguts statt. Die täglich nutzbare Reichweite kann so auf das doppelte oder dreifache vergrössert werden. Man könnte das sicher noch mehr auf die Spitze treiben. Für viele Unternehmen wird die Reichweite des kleineren Akkus völlig ausreichend sein. Beispielsweise für Handwerker, welche den Lieferwagen nur benötigen um ihr Material und Werkzeug von ihrer Werkstatt zum Kunden zu fahren. Wir denken da beispielsweise an den lokalen Malerbetrieb.

Die maximale Geschwindigkeit wird elektronisch bei 130 km/h abgeriegelt. Als Begründung führt man an, dass bei schnelleren Fahrten die Reichweite zu stark darunter leiden würde. Ein Lieferwagen ist nicht gerade aerodynamisch. Der Aufwand an Antriebsenergie pro Kilometer gefahrener Strecke (soweit er durch den Luftwiderstand verursacht wird) wächst bei verdoppelter Geschwindigkeit auf das Vierfache.

Auch bezüglich Konnektivität hat Opel einiges zu bieten. Mit der Opel App wird man den Ladezustand von überall aus kontrollieren können, solange man eine Datenverbindung hat natürlich. Auch die Klimaanlage soll sich über die App steuern lassen. Der Fahrer kann beispielsweise die Heizung einschalten wenn er noch im Restaurant sein Mittagessen zu sich nimmt während dem der Vivaro-e draussen an der Steckdose angeschlossen ist. So wird der Lieferwagen mit Strom vom Netz anstatt vom Akku vorgeheizt, was der Reichweite dienlich ist.

Auch eine eigene Charging App mit Zugang zu derzeit über 140’000 Ladestationen in Europa bietet Opel an. Ein eigenes Ladenetz hat Opel bekanntlich nicht. Opel bzw. sein Mutterkonzern PSA ist auch nicht Mitglied vom europäischen Schnelllade-Netzwerk Ionity. Die Opel-Fahrzeuge können diese Ladestation dennoch nutzen. Der PSA Konzern steht im Gegensatz zu anderen Autohersteller in Europa bezüglich DC-Charging aussen vor. Man setzt sich so dem Risiko aus, dass die Konkurrenten ihren eigenen Kunden an ihren Ionity-Ladestationen bessere Konditionen anbieten als den Kunden von Fremdmarken. Mit der Zunahme von Ladestationen von markenunabhängigen Ladenetz-Betreibern sinkt dieses Risiko jedoch stetig.

Opel will ab diesem Sommer Bestellungen für den Vivaro-e entgegennehmen. Die ersten Fahrzeuge sollen noch vor Ende Jahr ausgeliefert werden. Der Preis wird also bald bekanntgegeben. Einer der grössten Vorteile von Elektroautos sind bekanntlich die tiefen Unterhalts- und Betriebskosten. Trotzdem bleibt der Anschaffungswert ein wichtiger Faktor bei der Berechnung der Lebensdauerkosten. Unternehmen werden sich diese Rechnung zweimal machen. Die Frage ist, kann Opel den Vivaro-e kosteneffizient bauen damit der Vivaro-e zumindest bei den Lebensdauerkosten mit den Diesel-Varianten konkurrenzieren kann? Vermutlich nicht. Weil die Logik (und die Vernunft) würde dann gegen die Aufrechterhaltung der Diesel-Vivaro Produktion sprechen.

Das Produktionsvolumen des Opel Vivaro-e ist die zweite Unbekannte in dieser Rechnung. Hat man die Lieferkette für eine grosse Stückzahl gesichert? Wird es sich beim Vivaro-e eher um ein halo car handeln? Oder will mal einfach nur so viele davon verkaufen um die EU Emissions-Gesetze zu erfüllen?

Wenn der Preis stimmt, dann stimmt auch die Nachfrage. Wir hoffen, dass Opel möglichst viele Vivaro-e auf die Strassen bringt!

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Artikelbild: Opel Pressedienst