Der Auto CEO der seiner Zeit voraus war

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Im Jahr 2017 hatte der damalige Opel CEO Karl-Thomas Neumann einen mutigen aber vielversprechenden Plan. Gemäss Informationen des manager magazin wollte Karl-Thomas Neumann ab 2030 nur noch Opel Fahrzeuge mit E-Antrieb verkaufen.

Investitionen in Antriebe mit Verbrennungsmotoren hätten der Vergangenheit angehört. Opel sollte sich auf die Entwicklung von Elektroautos fokussieren. Das hätte den Vorteil gehabt, dass man keine Entwicklungs- und Forschungskosten für zwei Antriebsstrang-Arten gleichzeitig hätte schultern müssen. Eine Variante des Plans habe sogar vorgesehen, Opel in zwei Unternehmen aufzuspalten. Ein “Neu-Opel” für die Elektroautos und ein “Alt-Opel” für die Verbrenner. Vermutlich wäre die Funktion von “Alt-Opel” eine Art “Bad Bank” gewesen, in der buchhalterische Verpflichtungen abgeladen worden wären. Beispielsweise die Erbringung von gesetzlichen Garantieleistungen für die verbleibenden Verbrenner.

Der Mutterkonzern General Motors hat sich gegen diese neue Strategie entschieden. Er beschloss stattdessen Opel in einer Art Ruckzuck-Aktion dem französischen PSA Konzern zu verkaufen, was für die Amerikaner einer Kapitulation auf dem europäischen Markt gleichkommt.

GM verspricht seit Jahren voll auf die Elektromobilität zu setzen. Gleichzeitig trennt sich GM weltweit von Geschäftseinheiten die keinen Gewinn erwirtschaften. Gerade kürzlich hat man auch in Australien das Handtuch geworfen und die dortige Traditionsmarke Holden aufgegeben.

Die Elektroauto-Pläne sind bei GM trotz jahrelangen und vollmundigen Ankündigungen nicht wirklich weit fortgeschritten. Im März 2020 hat GM die Medien und Analysten zur “Our electric future is now”-Show eingeladen. Die Bezeichnung “Show” ist von uns. In Sachen Präsentationstechnik macht den Amerikanern niemand etwas vor. Während der Präsentation haben die GM-Manager immer wieder betont, dass man es jetzt auch wirklich ernst meine mit der Elektromobilität. Die Elektroautos würden kommen. Das war anfangs März. Inzwischen hat man den neuen, etwas besseren Chevrolet Bolt aufs nächste Jahr verschoben. Die globale Pandemie 2020 muss dieses mal als Ausrede hinhalten.

Karl-Thomas Neumann, der vorher den Autozulieferer Continental geleitet und das China Geschäft von Volkswagen verantwortet hat, schaffte es der angeschlagene Marke Opel neues Leben einzuhauchen. Die Kampagne “Umparken im Kopf” mit Borussia Dortmund Trainer Jürgen Klopp gilt als eine der erfolgreichsten Markenkampagnen die Deutschland je gesehen hat. Der langjährige Auto CEO setzte auch früh und als einer der ersten Auto-CEO auf die Elektromobilität.

Heute lebt Karl-Thomas Neumann gemäss seinem LinkedIn Profil in Kalifornien. Er beteiligte sich am ambitiösen Elektroauto Startup Canoo, gab seine Rolle als Vorstandsmitglied jedoch zwischenzeitlich wieder ab. Er ist immer noch Teilhaber und Berater von Canoo, das vom ehemaligen BMW Manager und ex Faraday Future CEO/COO Stefan Krause geführt wird. Desweiteren ist Neumann im Vorstand des israelischen Startups Cartica AI. Das Unternehmen will AI-Technologien für das Autonome Fahren anbieten. Der Ansatz von Cartica AI ist ein System, das nicht auf die üblicherweise immensen Datenmengen angewiesen ist um Neural Networks zu trainieren.

Der erfahrene Automanager hatte Grosses vor mit Opel. Gut möglich, dass es sich für GM langfristig ausgezahlt hätte, wenn sie ihn nur machen lassen hätten. Er gilt als Vorreiter in Sachen Elektromobilität, war seiner Zeit aber dennoch voraus. Nicht weil das falsch gewesen wäre, eher weil die alten Automobilhersteller zu rückständig waren – und leider immer noch sind.

Der Manager wurde schon oft mit Tesla in Verbindung gebracht. Wir wagen es zu spekulieren, dass er tatsächlich mal bei Tesla unterkommt. Vielleicht im Zusammenhang mit der Gigafactory Berlin? Nun, das ist wie gesagt reine Spekulation und weit aus dem Fenster gelehnt. Aber wer weiss, vielleicht können wir in ein, zwei Jahren auf diesen Artikel verweisen und einen “Wir haben es doch gesagt”-Spruch liegen lassen.

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Artikelbild: Axel Wierdemann

Update

Herr Neumann hat unseren LinkedIn-Post, der auf diesen Artikel verweist, wie folgt kommentiert:

Screenshot: autoblog.ch